Es kommt relativ häufig vor, dass ich Anrufe von verzweifelten Diplomanden bekomme, die sich redlich mühen, Begrifflichkeiten wie Viral Marketing, Buzz Marketing, Word of Mouth Marketing, Guerilla Marketing, Connected Marketing etc. voneinder abzugrenzen. Ich sage dann immer, dass ich daran auch schon verzweifelt bin und dass dagegen die Arbeit vom alten Sisyphos das reine Zuckerschlecken gewesen sei. Ich gebe gerne zu, dass ist nicht unbedingt das, was man als hilfesuchender Student gerne hören möchte.

In der aktuellen Ausgabe ihres Newsletters, der mich heute Nacht erreichte, bittet mich die Word of Mouth Marketing Association (WOMMA) um meine Mithilfe:

„Help save „word of mouth marketing“ at Wikipedia. A proposal has been made to close the Wikipedia entry for „word of mouth marketing“ and subsume it into the larger entry for „viral marketing“. Viral is a marketing technique of word of mouth equally valid with others such as buzz, grassroots, evangelism, and more. (…)“

Wird also einer der Sterne im ewig expandierenden Universum der Marketingbegriffe demnächst verglühen?

Gehen wir für den Moment einfach mal davon aus, dass es sich bei dem dramatischen Appell nicht um eine getarnte WOM-, Viral, Buzz- (hier bitte hier ihren persönlichen Lieblingsterm einsetzen) Maßnahme handelt, um die WOMMA ins Gespräch zu bringen. Nehmen wir also an, an der Sache sei etwas dran: Wer würde den Begriff Word of Mouth Marketing bei Wikipedia vermissen (außer dem gleichnamigen Dachverband)? Reden wir im Grunde nicht alle über das Gleiche? Über die Frage nämlich, was Unternehmen tun können am Ende einer langen Ära – der Zeit des Marketingstalinsmus?

Ich selbst habe mich vor langer Zeit für den Begriff „Virales Marketing“ entschieden, deswegen heißen wir heute nicht wom-people, sondern vm-people. Ich habe das damals ganz bewußt getan, weil der Bezeichnung meiner Meinung nach etwas innewohnt, was Mundpropaganda für eine erfolgreiche Verbreitung braucht – einen Neuigkeitswert. Denn genau das ist es, was uns Kritiker bis heute vorwerfen: Virales Marketing und das was dabei herauskommt, die Mundpropaganda, sei „alter Wein in neuen Schläuchen“.

Mir war von Anfang an klar, dass den Begrff Virales Marketing nicht alle gut finden werden, weil er bei vielen Menschen eine negative Assoziationskette anstößt. Aber genau deswegen halten wir an ihm fest. Denn er ist nicht nur neu und dadurch besser geeignet, die Entscheider im Unternehmen aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Er ist vor allem auch kontrovers. Man kann sich an ihm reiben. Und wo Reibung ist, springt irgendwann auch ein Funke…

Sorry, WOMMA… aber meine Unterstützung habt ihr nicht!

Word of Mouth-Marketing bei Wikipedia
Viral Marketing bei Wikipedia