Wer weiß, ob Harry Potter jemals das Licht der Welt erblickt hätte, wäre das Manuskript nicht eines Tages auf dem Schreibtisch von Barry Cunningham gelandet. J.K. Rowlings Text war davor schon von vielen Verlagen abgeschmettert worden. Für ein Kinderbuch sei die Geschichte viel zu lang und die Welt von Hogwarts zu komplex, so hieß es einhellig. Cunningham, seinerzeit Lektor beim englischen Verlag Bloomsbury war anderer Meinung. Er sah in dem Manuskript etwas Einzigartiges und es gelang ihm seinen Verleger zu überzeugen. Der Rest ist Geschichte.

Heute ist Barry Cunningham selbst Verleger und hat das Harry Potter-Modell erfolgreich auf seinen eigenen VerlagChicken House übertragen. Cunningham gibt jungen, unbekannten Autoren eine Chance. Autoren, an die er selbst glaubt und von denen er überzeugt ist. Dabei ist ihm Eines besonders wichtig – seine Autoren müssen in ihren Geschichten mit einer authentischen Stimme zu den Jugendlichen sprechen.

Im Zuge der Einführung seines Verlages in Deutschland hatte ich die Gelegenheit, Barry Cunningham persönlich kennenzulernen. In dem Interview, was ich mit ihm geführt habe, wirkt er äußert entspannt, obwohl wir ihm nur wenige Minuten zuvor einen gehörigen Schrecken eingejagt hatten. Um ihm auf unser Alternate Reality Game für Numbers einzustimmen, hatten wir uns erlaubt, einen verstörende Empfangsbotschaft in seinen Hotelfernseher einzuspeisen.

Als die Kamera abgeschaltet war, verriet er mir noch, dass er seinen Autoren einen besondere Behandlung angedeihen lässt. So lässt es sich der Verleger nicht nehmen, J.K. Rowling und Cornelia Funke zu bekochen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Sehr fürsorglich, der Mann!